BIK - Bund Industriemeister Kunststoff e.V.

 

 

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen!

Meisterausbildung in Würzburg

Getreu diesem Motto tauschten im Oktober 2015 achtundzwanzig Berufstätige aus der Kunststoffverarbeitung den gewohnten Arbeitsplatz gegen die Schulbank, um in Würzburg ihre Meisterausbildung in der Fachrichtung Kunststoff und Kautschuk bei IHK und SKZ anzutreten.  Zu diesem Zeitpunkt wussten viele von ihnen noch nicht, dass ganz Deutschland auf den Verlauf des Meisterkurses und vor allem auf die Abschlussprüfung schauen würde. Denn Sie sollten die Ersten sein, die nach der neuen bundeseinheitlichen Prüfungsverordnung und dem neu erstellten Rahmenplan ihre Ausbildung absolvieren.

Ende Mai 2016 war es dann soweit: nach sieben langen und harten Monaten mit zahlreichen  Entbehrungen standen die Abschlussprüfungen vor der Tür. Das in den vergangen Monaten erlernte Wissen wurde in zwei schriftlichen Prüfungen und einem Fachgespräch abgefragt. Die Anspannung war nicht nur bei den Prüflingen selbst, sondern auch bei ihren Dozenten sichtlich groß, denn nun sollte sich zeigen, ob sie die Inhalte richtig vermitteln konnten.

Der Ausbildungsleiter des SKZs, Bernhard Hennrich, hat die Gelegenheit genutzt, direkt im Anschluss an die letzte Prüfung mit einem der zukünftigen Meister, Herrn Metzner aus Aldingen, über die neue Meisterausbildung ein Resümee zu ziehen.

Herr Hennrich (rechts) im Gespräch mit Herrn Metzner

Hennrich: Herr Metzner, es ist geschafft, Sie hatten heute Ihre letzte Prüfung in Form des Fachgesprächs. Wie fühlen Sie sich und was steht bei Ihnen heute noch auf dem Programm?

Metzner: Ich bin sehr erleichtert, dass alle Prüfungen jetzt abgelegt sind. Trotzdem bleibt noch bis zum Erhalt des Briefes eine gewisse Grundanspannung bestehen. Heute geht nicht mehr viel. Ich werde mit meinem Kollegen vielleicht noch ein Glas Wein trinken, dann die lange Heimreise antreten und auf dem Sofa zu Hause die Beine hochlegen.

Hennrich: Lassen Sie uns doch nochmal sieben Monate zurückblicken. Als die Entscheidung in Ihnen gereift ist, die Meisterausbildung anzustreben. Warum entschiedenen Sie sich für den weiten Weg von 250 km - nach Würzburg, wo doch andere Möglichkeiten direkt vor Ihrer Haustür liegen?

Metzner: In meiner Firma waren so ziemlich alle, die ihren Meister gemacht haben, für die Meisterausbildung hier in Würzburg. Der gute Ruf des SKZ und die kompakte Ausbildung in nur sieben Monaten haben mir die Entscheidung leicht gemacht.

Hennrich: Der Kurs den Sie besucht haben, war ein Vollzeitlehrgang. Wäre eine Ausbildung in Teilzeit für Sie attraktiver gewesen?

Metzner: Auf keinen Fall. Es ist ja bekannt, dass die Teilnehmer von Teilzeitkursen meist schlechter abschneiden als die der Vollzeitkurse. Außerdem kommt man bei Vollzeit wieder leichter und schneller in den Lernrhythmus und den Stoff rein. Bei Teilzeit bleibt die Schule eher auf der Strecke, man ist einfach zu nah noch an der Arbeit dran.

Hennrich: Jetzt ist Würzburg ja für seine Wohnungsknappheit bekannt. Wie lange im Voraus haben Sie nach einer passenden Bleibe gesucht?

Metzner: Mein Kollege und ich waren eigentlich ziemlich spät dran. So richtig gekümmert haben wir uns erst zwölf Wochen vor Kursbeginn, aber auch kein Problem, da Vorgänger aus unserer Firma uns einen Kontakt vermittelt haben. Das war dann letztlich nur ein Anruf und wir hatten unsere beiden Zimmer sogar ohne Besichtigung in einer Toplage zur IHK und dem SKZ.

Hennrich: Am 19.10.2015 startete der Lehrgang mit dem ersten Block an der IHK. Wie waren die ersten Wochen für Sie wieder auf der Schulbank?

Metzner: Schwierig! Richtig hart, man braucht locker acht bis zwölf Wochen um in den Schul- und Lernmodus wieder reinzukommen. Daher war es sehr angenehm in den ersten beiden Wochen mit dem Ausbilderschein bei der IHK zu beginnen. Das war für den Wiedereinstig ein nicht so komplexes Thema. Dennoch musste man ab dem ersten Tag Vollgas geben.

Hennrich: Können Sie den Punkt Vollgas noch etwas umschreiben?

Metzner: Schon nach den ersten Tagen bildeten sich Lerngruppen, in denen das am Tag eingetrichterte Wissen aufgearbeitet wurde. In unserer WG war ein Vorteil, dass wir aus den unterschiedlichen Verarbeitungsbereichen der Kunststofftechnik kamen und uns so gegenseitig bei vielen Themen unterstützen konnten. Hier wurde oft bei einem Glas Wein oder einem Bierchen gefachsimpelt.

Hennrich: Kommen wir auf den Rahmenplan und die Vermittlungsinhalte des neuen Meisterkurses zu sprechen. Wie war es für Sie und Ihre Kollegen die Ersten zu sein?

Metzner: Wir fühlten uns alle schon ins kalte Wasser geworfen. Keiner wusste, was in der Prüfung auf uns warten würde. Auch den Dozenten hat man angemerkt, dass sie sich bei der Vermittlungstiefe und -umfang noch unsicher waren. Vieles aus dem Unterricht wurde letztendlich auch nicht in der Prüfung abgefragt. War aber auch klar, bei der Menge an Stoff.

Hennrich: Würden Sie daher sagen, vieles was Sie gelernt haben war unnütz?

Metzner: Nein, sicher nicht, aber es ist wohl wie bei vielen Dingen im Leben, man wird erst hinterher im Job feststellen, was alles wichtig war und was nicht. Ich glaube es ist vergleichbar mit einem Studium. Hier geht es ja auch darum ein breites Wissen zu vermitteln und keine Fachidioten auszubilden.

Hennrich: Laut Rahmenplan ist bei der kompletten Ausbildung kein praktischer Anteil vorgesehen. Wie stehen Sie dem gegenüber?

Metzner: Praxis ist das A und O! Klar wird bei den Meisterschülern die praktische Erfahrung durch die Berufsausbildung vorausgesetzt aber wir wissen alle, dass Lernen und Begreifen in den meisten Fällen visuell besser klappt als in der trockenen Theorie. Und ganz ehrlich, keiner von uns konnte sich vor dem Meisterkurs etwas unter Kalandrieren vorstellen, das muss man einfach mal gesehen haben. Aber auch die anderen Verarbeitungsverfahren wie Blasformen, Thermoformen oder Extrudieren waren bei vielen von uns nicht so in den Köpfen, da der Großteil ja doch vom Spritzgießen kommt. Darum war das Praktikum im SKZ an den Maschinen einfach Gold wert!

Hennrich: Wie würden Sie die erhaltene Unterstützung seitens der Dozenten bei der Prüfungsvorbereitung beschreiben?

Metzner: Alle Dozenten waren durch die Bank weg bemüht uns bestmöglich auf die Prüfung vorzubereiten. Vor allem die Fachkompetenz der einzelnen Dozenten war sehr beeindruckend und für uns hilfreich. Wir hatten immer das Gefühl: Jep, der da vorn weiß von was er spricht! Außerdem ist die Lernplattform Moodle eine super Sache, um mit den Dozenten zu jeder Zeit in Kontakt zu treten und neben der Zeit im Klassenzimmer weiter zu diskutieren.

Hennrich: Wie hat Sie Ihre Firma bei dem Projekt Meisterausbildung unterstützt?

Metzner: Meine Firma hat mich ohne Probleme für die Zeit der Ausbildung freigestellt. Jetzt warten sie schon wieder auf mich und freuen sich, dass ich nächste Woche voll einsteige.

Hennrich: Eine letzte Frage noch, was würden Sie einem Kollegen sagen, wenn er Sie zum Thema Meisterausbildung um Rat fragt?

Metzner: Auf jeden Fall machen! Du lernst so unglaublich viel Neues dabei und außerdem ist ja trotz der ganzen Plackerei die Freizeit in Würzburg nicht zu kurz gekommen! Es haben sich viele neue Bekanntschaften gebildet und bei bestimmten Problemen später im Job weiß ich, wen ich anrufen kann. Man baut sich ganz nebenbei ein gutes Netzwerk auf.

Nun heißt es für die ersten Meisterschüler des neuen Abschlusses von IHK und SKZ noch für ein paar Wochen zittern und auf die Prüfungsergebnisse warten. Wir drücken allen die Daumen. Während dessen geht die Arbeit an der IHK und dem SKZ weiter, der zweite Meisterkurs steht bereits in den Startlöchern. Auf Grund der großen Nachfrage werden im Winter sogar zwei Kurse parallel laufen, freut sich Hennrich.

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